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Der Strom, die Steckdose und die Reinigungskraft

Viele kennen es, wenn in einem Pro­jekt der Wurm drin ist, dann kommen manchmal „Pro­bleme“, die nie­mand sich kaum vor­stellen konnte.

Eine ver­häng­nis­volle Mischung – Strom, Steck­dose und Reinigungskraft

Hin­ter­grund:
Anfang der 2000er-Jahre hatten wir einen Kunden aus dem Maschi­nenbau, der sein EDV-System moder­ni­sieren wollte. Klas­sisch Struktur Ver­wal­tung, Pro­duk­tion mit Fräsen Drehen und Schweißen usw. und Lager.

Das Lager war ein allein­ste­hendes Gebäude, das aus dem großen Lager und 3 klei­neren Räumen bestand. Es war ca. 30 m von dem rest­li­chen Kom­plex ent­fernt. Einer der Räume im Lager wurde nun zum Ser­ver­raum erklärt. Zwi­schen den Gebäuden gab es einen Ver­sor­gungs­tunnel für alle Medien, dort sollten auch die Netz­werk­lei­tungen ver­legt werden.
Aus Daten­si­cher­heits- und Brand­schutz­über­le­gungen eine sehr gute Lösung.

So weit so unspek­ta­kulär, das EDV-System mit Server und 18 Cli­ents wurde ange­boten ein­schließ­lich Ver­ka­be­lung (Netz­werk und Strom), Patch­panel, Switch, usw. durch ein Partner-Elek­tro­un­ter­nehmen.
Der Auf­trag für Server / Cli­ents, Switch und Anschluss­plan wurde erteilt, die Ver­ka­be­lung usw. sollte das „Haus-Elek­tro­un­ter­nehmen“ übernehmen.

Gut, wir haben einen Anschluss­plan erstellt das Elek­tro­un­ter­nehmen hat die Lei­tungen ver­legt und Umset­zung gemeldet. Hard­ware war bestellt, gelie­fert, vor­kon­fi­gu­riert, Termin wurde ver­ein­bart. „Alles SUPER“

Erster Streich:
Unsere Tech­niker waren am ver­ein­barten Termin vor Ort, aber in dem Ser­ver­raum war keine Steck­dose. Das Patch­panel hing einsam an der fal­schen Wand, ansonsten war in dem Raum nichts, keine ein­zige Steckdose.

Der Fir­men­in­haber hat das Elek­tro­un­ter­nehmen direkt her­bei­ge­rufen diese haben dann ein Loch durch die Mauer zum Nach­bar­raum gebohrt und pro­vi­so­risch eine Steck­do­sen­leiste ange­schlossen – im Nach­bar­raum in eine Steck­dose gesteckt.
Die feh­lende Elek­tro­in­stal­la­tion sollte umge­hend durch das „Haus-Elek­tro­un­ter­nehmen“ – wie sich her­aus­stellte ein Ein-Mann-Unter­nehmen – nach­ge­holt werden.

Jetzt konnten unsere Tech­niker erstmal arbeiten, der Rest hat auch ohne wei­tere Pro­bleme funk­tio­niert, Daten wurden auf den neuen Server über­tragen, Cli­ents ange­schlossen und ange­meldet. Der Fir­men­in­haber war glück­lich und hat unsere Tech­niker noch zum Abend­essen ein­ge­laden. „ALLES sehr Schick“.

Zweiter Streich:
Zwei Tage später, war nichts mehr „Schick“, das System wäre kom­plett unbrauchbar, die Ver­bin­dung zum Server würde am Vor­mittag nicht funk­tio­nieren, nur am Nach­mittag könnte man mit dem System ver­nünftig arbeiten. Solche Pro­bleme wären mit dem ALTEN System nie auf­ge­treten. (Bei dem ALTEN-System war der „Server“ in einem Schrank in der Ver­wal­tung gewesen.)

Zusammen mit unsern „Chef“-Techniker und dem Chef des Partner-Elek­tro­un­ter­nehmen sind wir dann zu dem Kunden gefahren. Wie schon gedacht, waren die Netz­werk­lei­tung zwi­schen Ver­wal­tung / Pro­duk­tion und Server das Pro­blem, die Lei­tungen waren gestört.

Da der der Fir­men­in­haber das nicht glauben wollte, haben wir ein Netz­werk­kabel quer über den Hof gelegt und damit war die Ver­bin­dung zum Server ein­wand­frei. Nun hatten wir seine Auf­merk­sam­keit – wir prüften die Ver­bin­dungs­kabel, das waren CAT 5 Kabel und nicht wie gefor­dert CAT 7 Kabel, dann ist der Elek­triker durch den Kabel­schacht gekro­chen und fest­ge­stellt, dass die Netz­werk­kabel ohne wei­tere Schir­mung über meh­rere Meter zusammen mit einem 150 mm² Strom­ka­beln (Zulei­tung zur Schweiß­an­lage) ver­legt sind.
Erklärte auch die Aus­sage, am Nach­mittag funk­tio­niert es, da die Schweiß­an­lage nur von 6 – 14 Uhr betreiben wurde.
Unser Elek­triker hat den Auf­trag erhalten, sofort die Netz­werk­kabel gegen CAT 7 aus­zu­tau­schen und eine Schir­mung zu dem Strom­kabel zu instal­lieren. Wurde in der nach­fol­genden Woche durch­ge­führt, nun war wirk­lich alles „Schick“, oder?

Dritter Streich:
Fast ein halbes Jahr war alles ruhig, aber eines Mor­gens kam ein Anruf von dem Pro­duk­ti­ons­leiter, der Server wäre nicht mehr erreichbar, das Netz­werk wäre tot.
Auf die Frage „Strom ist da, Server ist auch an“ kam die erboste Erwi­de­rung, JA, selbst­ver­ständ­lich – sie seinen doch nicht blöd. Da ist etwas DEFEKT“.

Unser Tech­niker ist hin­ge­fahren, der Ser­ver­raum war nicht ver­schlossen, es war immer noch die Strom­ver­sor­gung über die Mehr­fach­steck­do­sen­leiste, aber ohne Strom. Er ist mit dem Pro­duk­ti­ons­leiter in den Nach­bar­raum gegangen, da prangte ein großes Schild an der Wand über der Steck­dose (Auf keinen Fall den Ste­cker ziehen), und der Ste­cker lag auf dem Boden. Die neue Rei­ni­gungs­kraft war wohl nicht der deut­schen Sprache mächtig und die Steck­dose war sehr günstig zum Staub­saugen. Auf das „Jam­mern“ der USV (Unter­bre­chungs­freie Strom­ver­sor­gung) hat nie­mand gehört, dann war der Server und Switch aus.

Ste­cker wieder ein­ge­steckt und einige Minuten später waren alle Cli­ents wieder am Netz, alles funk­tio­niert und der Pro­duk­ti­ons­leiter ist im Boden versunken.

Die Rech­nung für den Ein­satz wurde anstandslos begli­chen, aber wir haben nie wieder von dem Kunden gehört.

Fazit:
Wenn man glaubt, das kann gar nicht sein, dann belehrt einen die reale Wirk­lich­keit eines Besseren.

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